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Visionär, Wegbereiter, Spitzenproduzent - Primus Sepp Zeiner im Interview

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VisionärWegbereiterSpitzenproduzent – Sepp Zeiner, Primus 2021 

Sepp Zeiner, ein Unikat für sich – ein Visionär, ein Wegbereiter, ein Spitzenproduzent und seit diesem Jahr auch Primus der Mostbarone. Was treibt Sepp Zeiner in seinem doch bereits sehr hohen Alter an? Woher kommen all diese visionären Ideen und was möchte er den Baronen und vor allem jungen Produzenten mitgeben. Ich hab nachgefragtund Sepp um ein Interview gebeten. Informationen, Tipps, Tricks und Lebensweisheiten aus erster Hand von unserem Primus 2021. 

Lieber Sepp, du wurdest in diesem Jahr zum zweiten Mal zum Primus angelobt – was war für dich besonders ausschlaggebend, Mostbaron zu werden? Wie lange bist du nun schon Mostbaron? 

Als erstes muss ich sagen, dass wir den Verein gemeinsam mit ein paar Kollegen, tatsächlich waren wir zu zweit,gegründet haben. Ausschlaggebend war vor allem der Wunsch, Produkte, die mittlerweile zu den besten der Welt zählen, gemeinsam zu vermarkten. Außerdem kann eine Qualitätssteigerung, so wie wir sie hier in der Obstverarbeitung in den letzten Jahren beobachten konnten, nur gemeinsam, durch Ideenaustausch und Weiterbildung in der Gemeinschaft erreicht werden und das sind eigentlich die wichtigsten Aspekte, um erfolgreich zu sein. Das hat uns so weit gebracht, dass wir heute zu den Besten der Obstverarbeitung der Welt zählen. 

Ich bin seit mehr als 20 Jahren Mostbaron. Toni Distelberger und ich haben den Verein gemeinsam gegründet. Ich weiß noch ganz genau wie’s war. Wir haben eine Werbeagentur am Hauptplatz in Amstetten dazu beauftragt eine Marke zu finden. Sie sollte die Nachfolge der Mostgalerie werden und den Spagat zwischen unserer Genossenschaft und der Mostgalerie kratzen. Das Ergebnis war eine Liste mit Worten wie Mostkaiser, Mostgraf, Mostkönig und unter anderem auch Mostbarone. Da hab‘ ich dann gleich mit Toni gesprochen und bei Mostbaron hat bei uns allen ein Glöckchen geläutet – das wäre schon was, haben wir uns damals gedacht. Baron, das verbindet unseren Ländlichen Raum, unsere hoheitliche Qualität, wäre aber dennoch noch bodenständig – das passt. Danach hatten wir eine Versammlung. Na klar, wurden wir von vielen auch belächelt, trotzdem hats funktioniert. Ein Schlüssel des anfänglichen Erfolgs war sicherlich auch, dass wir einen eigenen Patron bekommen haben, dh. ein politischer Vertreter, der damals sehr beliebt war, hat sich seit der ersten Stunde zu uns bekannt. Das war natürlich ein Riesenglück! In dieser Zeit durfte ich das erstmal querdenken und hier hatte ich zum ersten Mal die Chance zum Mitpartizipieren, sozusagen über den eigenen Tellerrand hinausdenken, immer weiterdenken. Ich selbst habe das nie studiert oder gelernt, aber das ist einfach das, was ich gerne tu. Dieser Patron und die Gründung des Vereins, das war eigentlich einer von den richtig großen Glücksfällen. Danach hatten wir natürlich ein paar Erweiterungen, Barone kommen und gehen, aber das wichtigste, das ich den Baronen mitgeben möchte, ist, dass man intern offen miteinander reden muss – das ist das allerwichtigste. Und, dass man innerhalb der Gemeinschaft keine Geheimnisse voreinander hat. In den letzten Jahren gab es immer wieder sehr viel Feuer, aber auch Gegenströmungen in der Gruppe, davon lebt die Gruppe. Wenn alles glatt laufen würde, es keine Diskussionen und Diskurse gäbe, dann muss ich ganz ehrlich sagen, dann ist die Gruppe tot.  

Du bist bereits seit Jahrzehnten Mostproduzent und Heurigenbetreiber, wie siehst du die Entwicklung der Mostkultur im Mostviertel? In den letzten Jahren ist durchaus eine “Verjüngerung” der Mostkultur zu beobachten. Cider und Craft-Produkte liegen im Trend – wie stehst du dazu? 

Was mit Berufszweigen und Betrieben passiert, bei denen es keine Verjüngerungen und keine Modernisierungen gibt, das ist uns allen bekannt. Ich sehe das zudem auch noch ein bisschen anders, es muss ein Grund vorliegen, warum man die Gemeinschaft, so wie wir sie bei den Baronen haben, braucht. Dieser Grund muss für alle Beteiligten vorhanden sein und das ist eine ganz gewaltige Chance. 

Im Jahr 2013 wurdest du zum ersten Mal zum Primus angelobt – inwiefern hatte dieses erste PrimusjahrAuswirkungen auf den weiteren Verlauf der Tätigkeiten der Mostbarone? Was hast du gelernt? Was war dein größter Erfolg? 

In meinem ersten Primusjahr 2013 haben wir die Gourmetmostlinie der Mostbarone kreiert. Die haben wir in einem intensiven Marketing- und Produktionsprozess kreiert und schlussendlich auch produziert. Und erst vor ein paar Wochen konnten wir mit dieser Produktgruppe unseren größten Erfolg feiern. Oftmals brauche gewissen Dinge ihre Zeit, im Laufe der letzten 8 Jahre haben unsere Gourmetmoste alle Höhen und Tiefen durchlegt, speziell während der Corona-Pandemie. An den Gourmetmosten arbeiten wir als Gruppe, wir sind eine Gruppe von Produzenten, da ist auch der Seppelbauer, Bernhard Datzberger mit dabei, der die Produktion, die Verkostungen und Cuveetierungenimmer weiter vorantreibt. Ich versuch das natürlich auch immer wieder und hab es auch immer wieder versucht. Und heuer auf einer internationalen Messe mit diesen Produkten, die es seit 8 Jahren gibt, einen solch durchschlagenden zu feiern, da ist wirklich eine echte Sensation! Dass wir mit unseren Produkten international bestehen können, das wussten wir und auch unsere Konsumenten sagen uns häufig „Ihr seids super und des is guadwos ihr mochts“ – aber DAS ist jetzt noch ein Sprung weiter! Zusätzlich habe ich natürlich gelernt die Gemeinschaft zu formen, zu fördern und auch zu fordern, das sind die wirklich stark herausfordernden Aufgaben und sicherlich auch, wenn das soder Produktentwicklungsprozess so einen Höhepunkt wie heuer findet, dann ist das eine der schönsten Aufgaben. Und CiderWorld 2021 kürt die Mostbaronspezialitäten zu den besten der Welt. Abseits der Gourmetmoste wurden auch einzelbetrieblich einige Produkte eingereicht – San Bernardo von Bernhard Datzberger, auch er ist Klassensieger geworden. Von meinem Betrieb war der Fortissimo mit dabei. Die CiderWorld muss man sich ja erstmal vorstellen, die einzelnen Produkte werden in einem der größten Labors für den Obstweinbereich in Geisenheim (D) analysiert, komplett zerlegt, auf Herz und Niere geprüft und in einer Onlineverkostungskommission, international zerstreut an unterschiedlichen Standorten verkostet worden. Und da konnten wir heuer erstmals eine handvollWeltmeistertitel abräumen. Ich möchte an dieser Stelle sagen, dass jeder Baron Berge an Produkten hat, die einen Weltmeistertitel verdient haben – und darauf bin ich besonders stolz!! 

Sepp, du bist besonders durch deine innovativen Ansätze und Ideen bekannt, woher kommen die? Was treibt dich persönlich dazu an, immer weiter innovative Ansätze zu verfolgen? 

Im Grunde ist es ganz einfach, es ist die Liebe zur Heimat und zur Mostbirne. Das muss man auch leben – wir sind hier verwurzelt, unser Leben wurde von Kindheit an von der Mostbirne geprägt. Als junge Burschen haben wir schon Most getrunken, während wir in die Volksschule gegangen sind. Das haben wir trinken dürfen, das war ganz normal und Kleinmengen natürlich. Wenn man sich unsere Region besonders um den ersten Mai ansieht, wenn die Birnbäume blühen und das ganze Mostviertel, wie ein Blütenmeer aussieht – das wahnsinnig schön! Natürlich ist es traurig, dass nicht noch mehr Menschen ihr Herz dem Most verschrieben haben, andererseits ist es auch gut so, dennnicht jeder kann Getreidebauer, Zuckerrüben etc. anbauen. Zum Glück ist es so, dass jeder etwas anderes macht. Die Mostproduktion, allgemein die gesamte Obstverarbeitung ist dennoch gerade für innovative Köpfe echt etwas Herausforderndes. Man ist immer wieder mit lebender Materie zusammen, ich mein das sind Millionen Tiere im Stall, mit den Lebewesen von der Hefe und es ist immer wieder spannend, jeder Gärvorgang ein neues Produkt und einer riecht schöner als der andere und heute habe wir halt ein Wissen, das wir vor 5 oder 10 Jahren noch nicht hatten. Das haben wir natürlich auch gelernt, bei den großen Brüdern, so bezeichne ich das immer. Die österreichischen Spitzen-Weißweinwinzer, das sind unserer großen Brüder - das ist eine Botschaft von mir. Das ist wirklich was, die sind vorausgegangen, die haben, der Wein hatte eine andere Wertschöpfung, die konnten mehr riskieren, wir haben dann probieren können, hinten nach und das war schön! 

Seit mehreren Jahren betreust du gemeinsam mit der Landjugend NÖ und der Moststraße das Projekte “Mission Most”, bei dem, Jugendliche das Handwerk der Mostproduktion erlernen. Was möchtest du besonders jungen Produzenten mit auf dem Weg geben?  

Ganz klar- keine Geheimnisse, offen zu sein, über alles offen zu reden, das war auch eine Rahmenbedingung, die wir bei Mission Most hatten - auf Erfolge hinzuweisen und auch auf Misserfolge, das war mir immer ein Anliegen und ist mir nach wie vor eines. Es gibt schon jedes Jahr 1 –2, die hängengeblieben sind & die sagen, sie beschäftigten sich auch weiterhin und das ist dann Balsam für die Seele. 

Wir befinden uns zwar schon Mitten in deinem Primusjahr, dennoch stellt sich die Frage: was sind deine Ziele für das Primusjahr? Welche Ziele möchtest du gemeinsam mit deinen Vereinskollegen des Vereins der Mostbarone 2021 erreichen? 

Ein Ziel ist es, dass die Mostbarone, nicht nur die Mostgastronomie, die Mostbetriebe keinen neuen Lockdown erleben müssen, dass wir einen normalen“, halbwegs normalen Herbst haben. Außerdem möchte ich die Teilautomatisierung im Gastgartenbereich vorantreiben. Das haben wir bereits im eigenen Betrieb durchgezogen, auch bei den Mostbaron-Kollegen Reikersdorfer und Distelberger. Dieses Projekt befindet sich aktuell noch in der Pilotphase, in der Entwicklungsphase, wird dann aber aufgrund von Lieferschwierigkeiten Kühlschränken usw. mit Ende Oktober abgeschlossen. Und für nächstes Jahr steht dem Ganzen dann nichts mehr im Wege und dann haben wir da wirklich eine tolle Sache, dass man da auch arbeiten können richtig dran. San eh einige große Ziele auch.  

Kurzfragen: 

Welcher Most ist dein Lieblingsmost? 

Normalerweise trocken bis Halbtrocken und wenn die spitze produziert sind dann egal, am liebsten trinke ich den Preh und Brous – die beiden sind meine. Und den Fortissimo, das ist mein liebstes Produkt von mir, der hat den biologischen Säureabbau und das ist wirklich was Feines. Das ist eigentlich was richtig feinesHolzfassl a wengldazua, und auch sehr bekömmlich zum Trinken, wenn man gerne trocken trinkt.. Aber da ist die Zeit noch nicht reif für die Verkostungskommissionen, die müssen ja erst verstehen was da gemacht wurde, was mit dem Produkt passiert ist und warum es so schmeckt, wie es schmeckt  

Lieblingsbirnsorte? 

Speckbirne, Grüne Pichlbirne 

Lieblingsapfelsorte? 

Bin kein Apfelmann, GrünpichlbirnStieglbirn 

Brettljause oder Saure Wurst? 

Abwechslung 

Wer ist dein persönlicher Held und Warum? 

Nicht der Donald Trump - persönliche Helden sind meiner Auffassung nach Menschen, die sich für Allgemeinheit einsetzen, die sich für Region und die Heimat einsetzen und eigentlich da etwas bewegenDas ist eigentlich das, was einen Helden für mich ausmacht – nicht für die Gemeinde, sondern für die Region, da gibt’s für mich keine Bundesländergrenzen.  Menschen, die sich einsetzen darüber hinaus und die wirklich für die Allgemeinheit, würde nicht sagen Heroisches, sondern einfach auch wenn es Leute gibt, die sagen, wir denken umweltbewusst, wir entwickeln da was weiter. Mich interessieren auch immer wieder die ganzen Forschungsprojekte, zum Mars zum Beispiel, die ganze Forschungssachen, was da alles möglich ist mit Strom und so weiter, das ist Wahnsinn!!  

Lieber Sepp, herzlichen Dank für das aufschlussreiche, informative und nette Interview mit dir! Ich wünsche dir alles Gute und viel Erfolg in deinem Primusjahr. Mögen all deine Vorhaben und Ziele erreicht werden!