Mostbarone auf Exkursion: Impulse für die Streuobstwiesen-Erlebniswege
Von 6. bis 9. Jänner 2025 führte die erste Fachexkursion im Rahmen des LEADER-Projektes „Mostbaroninnen und Mostbarone schützen die Streuobstwiese“ nach Baden-Württemberg. Ziel der Reise war es, neue fachliche, touristische und kulinarische Impulse für die geplanten Streuobstwiesen-Erlebniswege im Mostviertel zu sammeln.
Die Exkursion wurde mit der traditionellen Klausur der Mostbarone verbunden. Dadurch konnten die Eindrücke aus den besuchten Betrieben und Einrichtungen unmittelbar diskutiert und auf das gemeinsame Projekt übertragen werden.
Fachwissen und neue Perspektiven in Weinsberg
Ein wichtiger Programmpunkt war der Besuch der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg. Im Mittelpunkt standen aktuelle Entwicklungen im Obstbau. Besprochen wurden unter anderem unterschiedliche Birnenunterlagen, neue Ansätze bei Tafelbirnen sowie die Auswirkungen des Klimawandels auf den Obstbau.
Der Besuch zeigte, dass der Erhalt der Streuobstwiesen nicht nur eine Frage der Tradition ist. Auch Sortenwahl, Pflanzmaterial, Standortbedingungen und eine angepasste Pflege werden künftig eine wichtige Rolle spielen. Diese Erkenntnisse flossen besonders in die Überlegungen für den Erlebnisweg beim Seppelbauer ein, bei dem die Hege und Pflege der Streuobstwiesen thematisiert wird.
Produktinnovation bei der Manufaktur Jörg Geiger
Ein weiterer Schwerpunkt war der Besuch der Manufaktur Jörg Geiger. Dort erhielten die Mostbarone Einblicke in die Herstellung hochwertiger Getränke aus alten Obstsorten und Früchten von Streuobstwiesen. Besonders interessant waren die große Vielfalt an alkoholischen und alkoholfreien Produkten sowie innovative Verfahren, bei denen beispielsweise auch früh geerntetes oder bisher wenig genutztes Obst verarbeitet wird.
Deutlich wurde, dass der Wert einer Streuobstwiese nicht allein über die geerntete Obstmenge vermittelt werden kann. Entscheidend sind auch die Qualität der Produkte, eine klare Geschichte, eine ansprechende Präsentation und die bewusste Verbindung von Herkunft und Genuss.
Diese Erfahrungen unterstützten die weitere Entwicklung des Weges beim GenussBauernhof Distelberger. Dort wird gezeigt, wie die Früchte der Streuobstwiese verarbeitet, haltbar gemacht und zu unterschiedlichen Spezialitäten veredelt werden.
Streuobstwiese, Kulinarik und Gastlichkeit verbinden
Beim Besuch des Gasthofs Hirsch von August Kottmann wurde sichtbar, wie regionale Küche, Streuobstprodukte und Gastlichkeit zu einem stimmigen Gesamterlebnis verbunden werden können. Auch weitere Betriebsbesuche und Verkostungen im Raum Heilbronn zeigten, wie wichtig authentische Gastgeberinnen und Gastgeber für die Vermittlung regionaler Besonderheiten sind.
Für die Mostbarone war dies eine wichtige Bestätigung: Die Erlebniswege sollen nicht isoliert betrachtet werden. Sie sollen mit den Betrieben, ihren Produkten, ihrer Geschichte und den bestehenden touristischen Angeboten verbunden sein.
Erkenntnisse für die fünf Erlebniswege
Während der begleitenden Klausur wurden die Erfahrungen gemeinsam ausgewertet. Für die weitere Umsetzung wurden mehrere Grundsätze festgehalten:
Jeder Weg benötigt einen klar erkennbaren thematischen Schwerpunkt. Gleichzeitig sollen alle fünf Wege als gemeinsames Angebot auftreten. Kurze, verständliche Informationen, lebendige Geschichten, spielerische Aufgaben und besondere Erlebnispunkte sollen Wissen über die Streuobstwiesen vermitteln, ohne die Besucherinnen und Besucher mit Informationen zu überladen.
Die Exkursion bildete damit eine wichtige Grundlage für die weitere Ausarbeitung der fünf Erlebniswege. Sie zeigte, wie Fachwissen, Naturerlebnis, Produktinnovation, regionale Kulinarik und touristische Angebote zu einem gemeinsamen Erlebnis rund um die Mostviertler Streuobstwiese verbunden werden können.
Das Projekt wird im Rahmen des LEADER-Programms durch die Europäische Union, den Bund und das Land Niederösterreich unterstützt.
