
Nach 3 Jahren Malzwelt in Biberbach erzählt uns Josef über den Start mit der Mälzerei und der neuen Destillerie
3 Jahre MalzWelt in Biberbach – 10 Fragen an Josef Farthofer
Hallo Josef, als Mostbaron führst du die Mostelleria in Öhling und die neue MalzWelt in Biberbach. Nach 3 Jahren wollen wir dich fragen: Was hat dich ambitioniert, die Malzwelt zu bauen und wie hat sich der Betrieb entwickelt?
Die Malzwelt war für mich der logische nächste Schritt. Seit 2018 betreiben wir in der Mostelleria bereits eine eigene kleine Mälzerei mit rund zwei Tonnen Kapazität. Die Nachfrage nach unserem Malz war von Anfang an sehr gut, weshalb es für uns nur konsequent war, diesen Bereich weiter auszubauen und zu skalieren. Gleichzeitig haben wir uns auf Urgetreidesorten und deren Verarbeitung spezialisiert, was uns eine besondere Position und zusätzliche Qualität in der Produktion ermöglicht. Hier sind wir einzigartig in Europa.
Die Entwicklung in den ersten 3 Jahren hat unsere Erwartungen übertroffen. Wir produzieren nicht nur Malz für unsere eigenen Spirituosen, sondern beliefern mittlerweile auch viele Brauereien, Bäckereien und Destillerien. Gleichzeitig erleben die Besucher hier hautnah, wie aus einem Getreidekorn hochwertiges Malz und später Whisky entsteht. Genau diese Transparenz war unser Ziel.
Ihr seid ein Familienbetrieb in fünfter Generation, dein Sohn Josef ist schon voll im Betrieb involviert. Wie sehr treibt ihr euch gegenseitig an und wie ist die Arbeitsaufteilung am Betrieb?
Ich glaube, genau diese Kombination macht uns stark. Ich bringe weit über 20 Jahre Erfahrung in der Destillation und Unternehmensentwicklung mit, Josef Jun. bringt neue Ideen, moderne Technologien und einen anderen Blickwinkel ein.
Die Verantwortung hat sich klar aufgeteilt. Josef leitet heute die Produktion und kümmert sich um viele technische Themen. Ich beschäftige mich stärker mit Produktentwicklung, neuen Projekten und strategischen Entscheidungen. Natürlich diskutieren wir viel – manchmal auch intensiv – aber genau daraus entstehen oft die besten Ideen.
Was siehst du als Highlight auf deinem neuen Betrieb, das die Gäste unbedingt sehen müssen?
Das absolute Highlight ist sicher unsere Destillationsanlage. Zwei 12-Meter hohe miteinander verbundene Arnold-Holstein-Kolonnen mit insgesamt 60 Destillationsböden – das sieht man nicht alle Tage. Allein die Dimension beeindruckt viele Besucher.
Mindestens genauso spannend finde ich aber unsere Mälzerei. Drei Malztrommeln a´10 Tonnen Kapazität. Viele Menschen wissen gar nicht, wie aus Getreide überhaupt Malz entsteht. Dass wir diesen gesamten Prozess im eigenen Betrieb zeigen können, macht die MalzWelt einzigartig.
In die MalzWelt kommen viele Busse mit Besuchern. Was sind die typischen Fragen der Gäste?
Viele fragen zuerst: „Was macht eine Mälzerei eigentlich?“
Wenn sie dann sehen, dass wir unser eigenes Getreide anbauen, selbst vermälzen und daraus Whisky herstellen und am Ende alles selbst abfüllen, sind viele überrascht.
Eine häufige Frage ist auch, ob alle gezeigten Fässer voll sind. Wenn wir dann erklären, dass wir aktuell rund 3000 volle Whiskyfässer im Unternehmen haben entsteht großes Staunen und natürlich die Frage, wer das alles trinken soll.
Ihr habt ja selber eine große Landwirtschaft. Wieviel Obst oder Getreide verarbeitet ihr im Jahr und wo liegt euer Fokus in der Produktion?
Wir bewirtschaften rund 55 Hektar biologisch und produzieren einen Großteil unseres Getreides selbst. Zusätzlich arbeiten wir eng mit regionalen Bio-Landwirten zusammen.
Unser aktueller Fokus liegt stark auf allem rund ums Mälzen – also auf Whisky, Backmalz und Getreidereis. Gleichzeitig produzieren wir weiterhin mit großer Leidenschaft unsere klassischen Schnäpse aus eigenem Obst.
In Seitenstetten habt ihr den alten Stiftkeller gepachtet und mit Fässern befüllt. Wie kamt ihr auf diese Idee?
Als ich den historischen Keller gesehen habe, wusste ich sofort: Das ist ein besonderer Ort. Solche Gewölbe haben eine unglaubliche Atmosphäre und bieten gleichzeitig hervorragende Bedingungen für die Fasslagerung.
Whisky braucht Zeit, Ruhe und das richtige Klima. Der Keller verbindet Geschichte mit unserer Leidenschaft für hochwertige Spirituosen. Ich finde, dort passt einfach alles zusammen.
Du bist schon sehr viel international unterwegs auf Messen in Paris, Berlin usw. Warum kaufen diese Kunden genau eure Produkte? Was ist, denkst du, euer Vorteil gerade am Weltmarkt?
Unser größter USP ist, dass wir die gesamte Wertschöpfung im eigenen Haus abbilden – vom Getreideanbau über das Vermälzen und Destillieren bis hin zur Abfüllung. Dadurch können wir jeden einzelnen Schritt kontrollieren und höchste Bio-Qualität mit größter Sorgfalt gewährleisten.
Gleichzeitig verfügen wir über eine Betriebsgröße, die es uns ermöglicht, auch größere Mengen zuverlässig zu produzieren. Genau diese Kombination aus kompromissloser Bio-Qualität, vollständiger Kontrolle und professionellen Produktionskapazitäten ist etwas, das in dieser Form nur sehr wenige Betriebe bieten können. Das schätzen unsere Kunden auf der ganzen Welt.
Die Mostelleria bekam einen Relaunch. Was hat sich geändert?
Wir haben die Mostelleria noch erlebnisreicher gestaltet – mit einem neuen Kinofilm, der unsere Philosophie vom Feld bis zur Flasche zeigt.
Ein Highlight ist unser neuer Whisky-Lagerraum, der eindrucksvoll vermittelt, wie viel Ruhe und Zeit guter Whisky braucht.
Neue Informationstafeln ermöglichen es Besuchern zudem, die Mostelleria individuell und im eigenen Tempo zu entdecken.
Du bist ja schon lange Mostbaron mit Leidenschaft. Was gefällt dir an der Gruppe und der Zusammenarbeit mit den Kollegen?
Die Mostbarone verbindet eine gemeinsame Haltung. Jeder Betrieb ist eigenständig und hat seinen eigenen Charakter, aber alle verfolgen das gleiche Ziel: höchste Qualität und authentische Produkte aus unserer Region.
Gerade dieser offene Austausch macht die Zusammenarbeit wertvoll. Man unterstützt sich gegenseitig und entwickelt gemeinsam neue Ideen. Davon profitieren letztlich alle.
Es gibt auch ein neues Produkt, den Malzessig in Zusammenarbeit mit den Mostbaronen von Neuhofen, Familie Reikersdorfer. Wie kam es dazu?
Wir überlegen ständig, wie wir unsere Rohstoffe noch besser nutzen können. Dabei entstand die Idee, aus unserem selbst hergestellten Malz einen hochwertigen Malzessig zu entwickeln.
Mit der Familie Reikersdorfer haben wir dafür den idealen Partner gefunden. Sie bringen enormes Know-how in der Essigherstellung mit. Gemeinsam konnten wir zwei Welten verbinden – hochwertiges Bio-Malz und traditionelle Essigkompetenz. Das Ergebnis ist ein Produkt, das es in dieser Form bisher kaum gibt.
Danke für das Interview Josef und wir wünschen dir weiterhin alles Gute.
Vielen Dank. Es freut mich, dass sich so viele Menschen für unsere Arbeit interessieren. Am Ende ist unser Ziel immer dasselbe geblieben: hochwertige Lebensmittel und Spirituosen zu erzeugen – mit Respekt vor der Natur, viel Handarbeit und einer lückenlosen Wertschöpfung vom Feld bis zur Flasche. Dafür stehen wir als Familie, und diesen Weg werden wir auch in Zukunft konsequent weitergehen.
