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Die Jahrhunderternte 2018

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Die Obsternte im Mostviertel fiel heuer sensationell aus. Primus Michael Oberaigner, Ehrenprimus Toni Distelberger und Obstbaureferent Andreas Ennser lassen das Erntejahr Revue passieren.

Das Positive zuerst: Die diesjährige Ernte im Mostviertel fiel überwältigend aus. Jeder, der einen Obstbaum im Garten hat, kann das wahrscheinlich bestätigen. Nicht wenige Äste knickten sogar unter der großen Last des Obstes. Aber war heuer wirklich um so viel mehr Obst auf den Bäumen als gewöhnlich? Laut Andreas Ennser, Obstbaureferent der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, wird die Äpfel- und Birnenernte im Mostviertel heuer insgesamt auf rund 25.000 bis 35.000 Tonnen geschätzt. Zum Vergleich: In einem Durchschnittsjahr würden ungefähr um die 15.000 Tonnen geerntet. Die Erntemenge des heurigen Jahres ist also in jedem Fall überdurchschnittlich.

Top Qualität – Top Produkte
Toni Distelberger erzählt, dass er sich an Jahre erinnern kann, in denen er ähnlich viele Äpfel und Birnen ernten konnte. Dass aber die Erntemengen etwa auch bei den Kirschen, Zwetschken, Nüssen und Marillen so groß sind, überrascht auch ihn. Neben der außergewöhnlichen Menge war heuer vor allem auch die Qualität des Obstes hervorragend. „Ausgezeichnete Säure- und Zuckerwerte im Obst sorgen für eine besonders gute Verarbeitbarkeit. Aufgrund des trockenen Sommers konnte das Obst eine äußerst saubere Schale bilden und weist keinerlei Pilzbelastungen auf“, erklärt der Primus der Mostbarone, Michael Oberaigner. Perfekte Voraussetzungen also, um hervorragende Moste und Säfte zu produzieren.

Baumriesen trotzen Trockenheit
„Grundsätzlich tut die Hitze und Trockenheit den Birnbäumen aber schon weh“, erklärt Toni Distelberger. Längere Hitzeperioden bringen auch die Bäume in eine Stresssituation. Wie man aber heuer gesehen hat, sind die älteren Birnbäume erstaunlich robust. „Die großen, alten Baumriesen haben sich überraschend gut gehalten und können auf die Wasserspeicher in den schweren Lehmböden des Alpenvorlandes zurückgreifen“, so der Baron. Jungbäume könnten aber ohne Bewässerung den Sommer nur schwer überstehen. Deswegen mussten die jungen Bäume in den Trockenphasen ausreichend bewässert werden.

Die andere Seite der Medaille
Wie leider so oft, wenn die Ernte gut ausfällt, ist der Obstpreis im Keller. So auch in diesem Jahr, in dem laut Andreas Ennser auf den Übernahmestellen für Äpfel rund 50 Euro pro Tonne und für Birnen 56 Euro pro Tonne bezahlt wurden. Regionale Mostbauern dagegen, wie etwa die Mostbarone, zahlten für Qualitätsobst auch heuer einen sehr viel höheren Preis. Schuld für die sonst so niedrigen Preise ist der internationale Apfelsaftkonzentrat-Preis, an dem sich der Obstpreis orientiert. „Die meisten gewerblichen Großproduzenten am Saftsektor greifen auf Apfelsaftkonzentrat aus dem Ausland zurück“, so Ennser. Zusätzlich können irreführende Lebensmittelkennzeichnungen zu Kundentäuschungen führen. Etwa wenn in Österreich rückverdünntes, ausländisches Apfelsaftkonzentrat als „Hergestellt in Österreich“ bezeichnet wird, was aus rechtlicher Sicht noch möglich ist. Darum müsse man zu regionalen Produkten greifen, die wirklich zu 100% aus Österreich sind und eben nicht aus Konzentrat hergestellt sind.

Start für Jungmoste
Wenn es um regionale Produkte geht, ist man bei den Mostbaronen jedenfalls richtig. Die ersten, jungen Moste dieses Jahres – Jungspund, Godn- und Gödnmost - sind bereits abgefüllt und erhältlich. Die Jungmost-Saison startet ab sofort und auch der Primus der Mostbarone freut sich immer auf die Jungmost-Zeit: „Es ist schon immer etwas ganz Besonderes, wenn man die ersten Moste des Jahres verkosten kann.“ In diesem Sinne: G’sundheit, sollst leb’n!

 

Fotos: CleanHill Studios